Case

Die Praxisbegleitung: Auf dem Weg in eine neue Führungskultur

Nordmark Pharma hat 2015 begonnen, seine Führungskräfte in Kooperation mit relations weiterzuentwickeln. Dabei kommt ein neuartiger Persönlichkeitstest zum Einsatz, der auch beim Finden von optimalen Bewerbern eine große Hilfe darstellt.

Das kleine Städtchen Uetersen liegt in Schleswig-Holstein, gehört aber noch zur Metropolregion Hamburg. Hier hat die Nordmark Pharma GmbH ihren Sitz und produziert biopharmazeutische Wirkstoffe sowie Arzneimittel. Mit 600 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 100 Millionen Euro ist Nordmark ein klassischer Mittelständler. Das Unternehmen ist inhabergeführt und somit unabhängig.

Führen ist persönlich
Nordmark engagierte die relations GmbH, um zu dem bereits seit Jahren sehr erfolgreich durchgeführten Führungskräfteentwicklungsprogramm zusätzlich eine Praxisbegleitung für die 80 Führungskräfte anzustoßen. Das Ziel lag darin, den Führungskräften eine zusätzliche Maßnahme anzubieten, um sie bei ihrer Entwicklung noch intensiver zu unterstützen– auch zum Wohle der Unternehmenskultur insgesamt.

„Hierbei klären wir zunächst, welche Führungskraft welche Aufgaben hat und wie sich diese am besten lösen lassen“, so Thomas Leschig. Die Praxisbegleitung bleibt dabei nicht theoretisch oder losgelöst von den Personen. Ganz im Gegenteil, die Menschen hinter den Positionen geraten hierbei ins Blickfeld: „Je klarer es wird, mit welchen Stärken eine Person an eine bestimmte Aufgabe herangeht, desto leichter wird es für sie.“

Der Personality Profiler
Später wirkte das Führungskräfteprogramm noch mehr auf der persönlichen Ebene. Ein wichtiges weiteres Instrument bildete hierbei der „Personality Profiler“, ein sehr ausgereifter und differenzierter Persönlichkeitstest. „Hiermit konnten wir den Blick auf die Persönlichkeit entscheidend vertiefen“, so Thomas Leschig. „Denn es ging uns auch um die Frage: Welchen Einfluss hat die Persönlichkeit auf den Führungsstil?“ Der Personality Profiler, entwickelt an der Leuphana Universität Lüneburg, wirft einen Blick auf die Charaktereigenschaften, die Motive und die Kompetenzen eines Menschen und liefert die fundierte Basis für eine nachhaltige Weiterentwicklung: „Dadurch, dass sich eine Führungskraft als Person besser kennengelernt hat, kann sie sich besser selbst regeln und zielgerichteter Herausforderungen angehen.“
Leschig liefert dazu einen Vergleich aus dem Sport: „Wenn ich etwa beim Tennis genau weiß, dass meine Vorhand sehr gut ist, dann spiele ich diesen Vorteil aus. Meine etwas schwächere Rückhand hingegen versuche ich eher zu vermeiden.“ Diese Klarheit in dem, was jemand kann, verleihe diesem zudem ein ganz neues Selbstvertrauen: „Ich kann dem Team meine Stärken viel besser zur Verfügung stellen oder ich kann mich in der Eigenschaft zurücknehmen, die meine Teammitglieder eher überfordern würde.“ Wer beispielsweise erkennt, dass er manchmal etwas dominanter auftritt, kann lernen, sich auch mal zu zügeln.

Seit nun schon fünf Jahren gibt es in jedem Quartal eine zweitägige Veranstaltung, in der sich die Führungskräfte von Nordmark über ihre Funktionen im Unternehmen und ihr Rollenverständnis mit Thomas Leschig von relations und Markus Hanfler aus dem eigenen Haus austauschen. Das allein hat schon einen positiven Effekt gehabt: „In der Praxisbegleitung mussten die Führungskräfte mehr von ihrer Persönlichkeit preisgeben – das war neu in unserem Unternehmen“, erinnert sich Hanfler. „Thomas Leschig und mir ist es gelungen, relativ schnell eine sehr gute Vertrauensbasis herzustellen. Einige Führungskräfte haben sich dann auch über die Praxisbegleitung hinaus zu diesen Themen ausgetauscht.“

Den Personality Profiler hat Nordmark bereits schon vor dem Einsatz in der Praxisbegleitung für die Auswahl von neuen Führungskräften und außertariflichen Mitarbeitern eingesetzt. „Es ist bisher nur selten vorgekommen, dass sich Nordmark von Mitarbeitern trennt“, erklärt Markus Hanfler. „Aber, wenn es mal vorgekommen ist, dann, weil das Überfachliche nicht gestimmt hat.“ Gerade Führungskräfte sollten mehr mitbringen als nur einen guten Lebenslauf: „In der Vergangenheit haben wir häufig darauf geachtet, dass jemand fachlich-inhaltlich geeignet ist, einen bestimmten Job bei uns zu übernehmen. Das Thema überfachliche Eignung oder Persönlichkeit spielte bisher nur eine untergeordnete Rolle.“
Das hat sich nun geändert. „Wir bitten neue Führungskräfte, den Persönlichkeitstest zu machen, der Auskunft darüber gibt, wo persönliche Stärken liegen und was sie antreibt“, so Hanfler. Dabei gebe es kein Richtig oder Falsch, wie der Personalentwickler betont, „aber Sie brauchen bei manchen Positionen, etwa im Vertrieb, eine gewisse Extravision. Natürlich können Sie auch eine introvertierte Person so schulen, dass sie gute Kundengespräche führen kann. Dann wird dieser Kandidat natürlich besser in diesen Fähigkeiten, aber er wird immer etwas neben seiner Persönlichkeit agieren. Wir bei Nordmark sagen aber: Wenn jemand 30 Jahre seines beruflichen Lebens einen Job macht, der eigentlich nicht seinem Naturell entspricht, dann wird das immer ein Stressfaktor sein.“

Der erste Schritt in eine neue Nordmark-Kultur
Insgesamt hat die Praxisbegleitung von relations Wirkung gezeigt. „Es hat kulturell unter den teilnehmenden Führungskräften etwas verändert“, resümiert Markus Hanfler. „Führungskräfte trauen sich mittlerweile, mehr über ihre Entwicklungsthemen zu sprechen, und es ist nicht mehr verpönt, Führungsschwächen zuzugeben. Auch weitere Unterstützungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Coachings, werden mittlerweile proaktiv angefragt. Die Lust an der eigenen Entwicklung ist deutlich gestiegen.“

„Die Lust an der eigenen Entwicklung ist deutlich gestiegen.“

Markus Hanfler

Die Nordmark Pharma GmbH
  • beschäftigt 600 Mitarbeitern 
  • produziert biopharmazeutische Wirkstoffe sowie Arzneimittel
  • erzielt einen Jahresumsatz von 100 Millionen Euro
  • Das Unternehmen ist inhabergeführt und somit unabhängig.