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Raus aus der eigenen Wahrnehmungs-Blase

von Frank Petermann

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Veröffentlicht am 09.07.2020

Über den Mehrwert offener Netzwerke 

Ich weiß nicht, ob Sie sich daran erinnern. Zu den Anfangszeiten der Social-Media-Ära wurde häufig darüber gesprochen. Soweit ich weiß, ging es damals um Facebook-Gruppen. Man sprach von Filterblasen oder Echo-Räumen. 

Durch die Mechanik von Facebook, dem jeweiligen Mitglied möglichst relevante Informationen anzubieten, wurde für jeden Nutzer nach passenden Inhalten gesucht. Der Vegetarier bekam Infos zu Lebensmittel, der Autofan zu seinen Fahrzeugen oder der Klimaschützer Beiträge zu Umweltthemen. Das gilt übrigens heute auch für die Suchanfragen bei Google. Unterschiedliche Menschen bekommen unterschiedliche Suchergebnisse. 

Leider hatte das den Nebeneffekt, dass in bestimmten Gruppen nur noch einseitige Informationen geteilt wurden. Man war dafür oder dagegen. Jede Gruppe bekam die dazu passenden Informationen. Daraus entstanden die Wahrnehmungs-Blasen, kleine gefilterte Ausschnitte der Wirklichkeit.  

Gerade bei polarisierenden Gruppen – derzeit gut in den USA erkennbar – teilt sich die „Wahrheit“ in zwei unvereinbare Ansichtsgruppen. Der eine sagt, der andere hat unrecht und umgekehrt. Brücken werden keine gebaut.  

Wie wirken denn solche Wahrnehmungs-Blasen in Unternehmen? 

Es gibt das schöne Sprichwort „Gleich zu gleich gesellt sich gern“. Das ist eines der Grundprinzipien, wie sich Gruppen bilden. Das gilt auch für Unternehmen. 

Es besteht das große Risiko, dass es dort genauso geschlossene „Wahrnehmungs-Räume“ gibt. Es ist keine Seltenheit, dass Unternehmen ihre Seminare nach Mitarbeitergruppen scharf trennen, z. B. für die höheren und mittleren Führungskräfte sowie die Teamleiter oder nach den Fachbereichen, wie z.B. Einkauf, Vertrieb. Man bleibt unter sich. Es wäre auch ungewöhnlich, wenn eine Abteilung anfangen würde, mit den Nachbarabteilungen gemeinsam Arbeitstagungen zu machen. Oder einfach gemischte Gruppen zu bilden, nach dem Motto „Jeder der Lust hat und was zu sagen hat, kann mitmachen“. Im Besonderen gilt das für die sogenannten Querköpfe oder Exoten. Oft als eher störend empfunden, haben sie vielleicht gerade den Finger an Stellen, die schiefliegen. Da wäre es gut, mal zuzuhören. 

Ich hatte einmal eine bemerkenswerte Veranstaltung mit dem Vorstand und höheren Führungskräften eines Unternehmens, bei der die Mitarbeiter/innen aus den Kundencentern eingeladen waren. Es war beeindruckend, mit welcher Offen- und Direktheit über Erlebnisse und Missstände geredet wurde. Plötzlich erhielten hochkomprimierte Kennzahlen einen lebensnahen Praxisbezug. Die Veranstaltung zeigte deutlich, wie weit die Führungskräfte in ihrer eigenen Wahrnehmung von der Lebenswirklichkeit der Mitarbeiter und hier insbesondere der Kunden entfernt waren. 

Offene, selbstgesteuerte Netzwerke sind Teil der Zukunft

Nehmen wir das letztgenannte Beispiel, dann wird uns klar, dass wir aufhören müssen, künstliche Grenzen zu ziehen und bestehende Grenzen öffnen müssen. Das fängt mit den abgegrenzten und geschlossenen Gruppen zwischen Führungskräfteebenen an. Das zeigt sich bei einer Treppenkommunikation von unten nach oben oder bei fehlgesteuerten Gesprächs- und Abstimmungsroutinen an der Schnittstelle zwischen Bereichen. Wer genau hinschaut, findet noch mehr solcher gleichartigen, gedanklich geschlossenen Gruppen wie z. B. junge, neue und langjährige Mitarbeiter.  

Die Zukunft gehört den offenen, flexiblen, selbstgesteuerten, bereichs- und hierarchieübergreifenden Gruppen, ganz ohne Berührungsängste. Probieren Sie es einfach aus. 

Das neue Gesprächs-Format „Lean Coffee“ ist dafür ein gutes Beispiel. Einer oder eine lädt ein. Es reicht ein Zettel an der Tür. Kommen darf jede/r, der Lust hat, etwas erfahren will oder beizutragen hat. Fertig. 

Für den firmenübergreifenden Erfahrungsaustausch bietet das neue Online Business Netzwerk by relations eine schöne Plattform. Es bietet die Möglichkeit für das offene Netzwerken z. B. über Führungsthemen. Menschen aus verschiedenen Unternehmen mit unterschiedlichen Erfahrungshintergründen tauschen sich aus und beraten sich gegenseitig. Ein gutes Mittel gegen die eigene Wahrnehmungs-Blase. Sie sind herzlich eingeladen. 

Habe ich Sie neugierig gemacht? Wenn Sie Interesse an den neuen Business Netzwerken by relations haben, finden Sie mehr Informationen dazu unter: https://www.relations-vvv.de/2020/06/05/netzwerke-by-relations/  

Frank Petermann

 

 

Mit seiner außergewöhnlichen Erfahrungskombination aus der Praxis der Personalarbeit und der Führungsarbeit in der IT beschäftigt sich Frank Petermann seit Jahren mit den Veränderungen in Unternehmen. Er hat den Wechsel von einem stark hierarchiegetriebenen Unternehmen in eine menschenorientierte, flexible und agile Unternehmenswelt von morgen selbst erlebt und begleitet. Er schreibt gern über das Thema neue Organisations- und Kulturentwicklung.