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VUCA: Do The Best You Can …Chancen und Herausforderungen der Ambiguität

von Thomas Leschig

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Veröffentlicht am 01.07.2020

Mehrdeutigkeit und zügige Entscheidungen – wie passt das zusammen?

Seit drei Monaten stecken wir alle in einem Crashkurs zu Unbeständigkeit, Unvorhersehbarkeit, Komplexität und Mehrdeutigkeit, ja, richtig, VUCA, schon mal gehört. Angemeldet haben wir uns nicht zu dem Kurs, Spaß macht er auch nicht, Buffet ist nicht inclusive, stürzen wir uns also aufs Lernen. Besonders bei der Ambiguität (Mehrdeutigkeit). Viele wichtige, zukunftsorientierte Entscheidungen können richtig und falsch sein, Fehler machen tut weh und kratzt am Image. Der Versuch, keine Fehler zu machen kostet mehr Zeit, als meistens zur Verfügung steht.

Wenn man als Unternehmer oder auch Führungskraft Entscheidungen treffen muss, sind mehrdeutige Entscheidungen keine Option. Entscheidungen verlangen danach, eindeutig zu sein. Egal, ob es das eigene Unternehmen, ein Produktlaunch oder die Führung von Mitarbeiter*Innen der Firma betrifft, oder auch Lieferanten. Das gilt hin bis zur internen und externen Kommunikation. Eindeutigkeit ist gefragt. Doch wie soll man bitte in der jetzigen Corona-Situation eindeutige Entscheidungen treffen? Auf welcher Basis?

Was mir in der Entscheidungsfindung hilft, ist das Bild eines Mosaiks. Informationen, Meinungen, Annahmen sind die Steinchen. Je nachdem, wie ich die bunten Steinchen lege, entsteht ein anderes, ein neues Bild. Es gibt kein Bild, in dem ich alle Steinchen unterbringe. Worauf es ankommt ist meine Entscheidung: Welche Steinchen nehme ich rein, welche lasse ich raus? Und hier sind wir mitten drin im Thema „Ambiguität“ der VUCA-Welt.

Machen wir das an einem Beispiel fest: Firma XY hat durch Corona-Krise einen immensen Umsatzausfall von 60 bis 70 Prozent. Wie sieht der Blick in die Zukunft aus? Lege ich die Mosaiksteine aus meiner strategischen Beobachtung zu einem Schreckensszenario zusammen oder zu einem Wachstumsszenario? Picke ich mir aus dem Überangebot an Informationen und Meinungen die dunklen Steinchen oder eher die hellen Steinchen heraus?

Wenn Ungewissheit, Unbeständigkeit und/oder Komplexität so viel Raum einnehmen wie gerade jetzt, ist Angst der heimliche Begleiter. Und Angst ist nie gut, um klare und gute Entscheidungen zu treffen. Die Chancen der Ambiguität, der Mehrdeutigkeit liegen genau darin, dass ich nicht nur eine, sondern mehrere, und darunter eben auch positive Perspektiven habe, auf deren Basis ich Entscheidungen treffen kann, mein Bild wird weiter. Und eine Perspektive heißt beispielsweise: Im September ist der Turnaround geschafft, dann zieht das Geschäft wieder an und damit auch der Umsatz. Darauf richte ich mich und mein Team aus, daran glaube ich. So entsteht Eindeutigkeit. Wenn es anders kommt, bin ich der größte Depp? Nein, wenn ich jetzt nicht eindeutig werde, mache ich einen wichtigen Teil meines Jobs als Führungskraft nicht gut. Auch Mut lässt sich trainieren.

Mut ist im Umgang mit Ambiguität ohne Alternative. Oder wie es die US-amerikanische Schriftstellerin und Bürgerrechtlerin Maya Angelou gesagt hat: „Do the best you can until you know better. Then when you know better, do better.“